Die relevantesten Fotoplattformen im Social Web

Social Media ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Auch der Fotograf von heute muss sich Gedanken machen wie er sich innerhalb des Netzes positioniert. Jeder der jetzt noch nicht dabei ist sollte sich beeilen um den fahrenden Zug nicht zu verpassen.

Ausgangslage

Es ist noch gar nicht solange her wo man auf einem Film 12-36 Bilder belichten konnte. Danach ging es ins Labor zum Entwickeln und Ausbelichten. Bilder wurden physisch in einem Album durchgeblättert oder über einen Dia-Projektor an die Wand projiziert. Teilen hiess zusammen mit seinen Freunden und Bekannten zu sein.

Heute hat man die Kamera immer griffbereit in der Hosentasche. Bilder entstehen innert Sekunden und fast noch schneller kann man diese mit seinen Freunden überall auf der Welt teilen. Dabei spielt die Qualität oft keine Rolle. Es gilt den Moment festzuhalten und allen zu zeigen wo man gerade ist, was man trinkt oder mit wem man unterwegs ist. Bilder welche schnell in Vergessenheit geraten und in der Flut von Millionen von Fotos schnell untergehen.

Die richtige Positionierung

Um sich in einem solchen Umfeld richtig zu positionieren muss man sich selbst zuerst bewusst werden was man mit seinen Fotos erreichen möchte.

Das Ziel ist es die Fotos…

… mit möglichst vielen Freunden zu teilen, damit diese an dem eigenen Leben teilhaben können.
… zur Kritik freigeben um von anderen Fotografen ein ehrliches Feedback zu erhalten.
… verkaufen und damit Geld verdienen.
… nutzen um deinen Service als Fotograf in einem Portfolio zu vermarkten.
… online archivieren damit auch keines der Bilder verloren geht.
… ein geschütztes Album erstellen, welches man nur mit dem Kunden teilen kann.

Wie man sieht ist Thema so vielfältig wie die Fotografie selbst und kann von sehr vielen verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden.

Die Umfrage

Ich habe vor kurzem eine Umfrage gestartet in welcher ich  nach den für euch relevantesten Fotoplattformen gefragt habe. Dies ganz ohne den Bezug auf das von euch verfolgte Ziel. Dazu möchte ich sagen dass dies keine repräsentative Umfrage war. Es ging mir nur darum eine Tendenz zu finden.

Das Resultat sieht folgendermassen aus:


Anzahl der Teilnehmer: 62 (Eine Mehrfachauswahl war möglich.)


Zu den gewählten Plattformen gab es auch noch einige sehr wertvolle Kommentare:

 

Facebook bietet eine sehr grosse virale Verbreitung, die Freunde oder Seitenabonennten liken dein Pic und so wird es deren Freunden auch mitgeteilt, etc. Bei Partypics können sich die Besucher selbst markieren, liken, sharen etc. Instagram ist halt auch ne pure Fotoplattform, ohne gross Kommentare und Werbung, das Bild zählt.

 

Bei flickr sind die meisten meiner Freunde dabei. 500x hat einfach schöne Bilder. Instagram – gut für Handy Photos. Google+ für direktes Backup und Share-Funktionen.

 

flickr und 500px sind Plattformen mit genialen Bildern. Dort entdeckt man immer wieder neues. Pinterest und Instagram ist zum verweilen und ab und reinschauen sehr gut.

 

facebook nur für einfache Bilder um mit Bekannten zu teilen. Flickr nutze ich um grosse Alben oder Fotosets zu sharen. 500px für wenige sehr gute Shots! Instagram fürs schnelle Teilen zwischendurch!

 

Kontakte zu halten zu alten Freunden & Bekannten weltweit (FB) / Inspiration durch Personen mit gleichem Interessengebiet & Austausch (Instagram) / Quick & short info (twitter)

 

Die Gewinner

In den meisten Kommentaren welche in der Umfrage geschrieben wurden finde ich mich selbst wieder.

   facebook

facebook ist schlichtweg der aktuelle Markthirsch. Pro Sekunde werden auf facebook fast 3000 Bilder hochgeladen (Quelle: GloboMeter). Die Vernetzung der einzelnen Personen, in diesem Fall hauptsächlich von Familie und Freunden, ist sehr gut. facebook selbst filtert den Inhalt auch soweit dass man nur Inhalte von den Leuten zu sehen bekommt mit denen man auch wirklich eine Interaktion hat.  Diesen Vorteil kann durchaus auch schnell als Nachteil gesehen werden. Derek Muller von veritasium hat dies sehr schön in einem YouTube Video festgehalten.

Geeignet für: Teilen mit Freunden, Portfolio vermarkten

   flickr

flickr ist für mich die Überraschung. Nachdem ich die Kommentare dazu gelesen habe war für mich klar das es denn meisten so geht wie mir. flickr war schon immer da und wird wohl noch eine Weile da sein. Noch vor ein paar Jahren war flickr die günstigste Variante seine Bilder in voller Auflösung auf dem Web zu sichern. Denn für 25$ im Jahr konnte man unbegrenzt viele Fotos in Originalauflösung hochladen. Mittlerweile bietet flickr 1TB Speicherplatz beim Gratis-Account. Durch eine ebenfalls vorhandene und sehr ausgereifte API bietet sich flickr darum sehr gut als Backup-Lösung an. Wie in jeder Community gibt es auf flickr auch sehr viele sehr gute Fotografen. Und wenn man sich aktiv beteiligt findet man schnell neue Freunde und den gewünschten Feedback zu den eigenen Bildern.

Geeignet für: Kritik, Archiv, geschütztes Album

   Instagram

Seit dem Start von Instagram im Oktober 2010 hat sich die Plattform regelrecht in die Herzen aller Smartphone-User katapultiert. 8 Wochen nach dem Start konnte Instagram schon 1 Million registrierte Benutzer zählen. Am 6. September 2013 knackte Instagram die Marke von 150 Millionen registrierten Benutzern. Durchschnittlich werden 55 Millionen Bilder am Tag geteilt (Quelle: Instagram Press page). Die einfache Möglichkeit Bilder auf anderen Plattformen wie twitter, facebook, flickr, tumblr und foursquare zu teilen erweitert dabei die Reichweite der einzelnen Posts um ein vielfaches, sofern man auf den anderen Plattformen aktiv ist. Instagram bietet mit Filtern aufgehübschte Momentaufnahmen, meistens mit dem Handy gemacht. Es gibt Fotografen welche Instagram dazu verwenden Ihr Portfolio noch einmal abzubilden um auf die eigene Website zu verlinken. Dies ist aus meiner Erfahrung aber eher selten der Fall. Ein richtiger „Instagrammer“ macht seine Fotos mit dem Smartphone.

Geeignet für: Teilen mit Freunden

  500px

500px hatte 2009 gerade mal 1000 Benutzer. Mittlerweile sind dies auch einige Millionen. Im Gegensatz zu flickr hat es 500px aber geschafft die Qualität der Fotos sehr hoch zu halten. Es wird nicht von jedem als Foto-Archiv missbraucht. Wenn ich bei flickr alle Bilder eines Fotoshootings hochlade, kommen auf 500px maximal 1-2 der besten Bilder. Mittlerweile kann man auch Serien oder Sets auf 500px präsentieren. Diese Funktion nutzen aber in meinem Umfeld eher weniger Leute.

Mit einem sehr ausgeklügelten Algorithmus zeigt 5oopx mir auf der Startseite den „Flow“. Eine Auswahl an Bildern die mich interessieren könnte.

Geeignet für: Portfolio, Kritik, Bauchpinselei

  Google+

Bei Google+ ist es ähnlich wie bei facebook. Hier geht es um die Reichweite. Der grosse Unterschied liegt darin, dass Google+ eher Themenbezogen aufgebaut ist. Sprich man findet sich schnell in sogenannten Communities wieder. Für jede Interessensgruppe gibt es eine Community. Man kann sich seine Kreise (eine Art Freundesliste) so aufbauen dass man seine Inhalte sehr gezielt positionieren kann.

Geeignet für: Teilen, Kritik

Die Vergessenen

Vielleicht habt ihr euch schon gefragt was denn so unter „Sonstige“ alles noch erwähnt worden ist. Dabei musste ich erstaunt feststellen dass ich beim Erfassen der Umfrage die einte oder andere Variante gar nicht bedacht habe.

  Dropbox

Eine Plattform welche mir gar nicht in den Sinn gekommen ist, ich aber durchaus auch verwende ist Dropbox. Es ist sehr einfach Bilder auf verschiedene Geräte zu bringen und mit anderen Leuten zu teilen. Selbst verwende ich Dropbox nicht für die Übertragung ganzer Bild-Reportagen, aber durchaus für eine Selektion von bearbeiteten Bildern. Bei Dropbox muss man aber vorsichtig sein. Sollte man zuviel Traffic generieren kann es schon mal sein, dass Sie einem den freigegebenen Link suspendieren oder den Account sperren.

  iCloud

Apple hat in dem Thema auch noch ein Wörtchen mitzureden. Mit iCloud stellen Sie ihren Nutzern ein wirklich interessantes Tool zur Verfügung welches aus meiner Sicht viel zu wenig genutzt wird. Es können über einen Stream Bilder oder Alben mit Personen oder Personengruppen geteilt werden. Ebenfalls besteht die Möglichkeit eine öffentliche Webseite damit zu erstellen (Beispiel). Sollte man in seinem näheren Umfeld viele Apfel-Jünger um sich haben ist die iCloud ganz bestimmt eine valide Variante für Bild-Sharing.

  Bêhance

Bêhance gehört seit kurzen zum Adobe Network. Und wenn man ein Abonnent der Creative Cloud Produkte ist, gehört ein Portfolio auf Bêhance zum Preis dazu. Bêhance ist bestimmt ein Nischenprodukt, dafür bekommt man auch qualitativ hochwertige Feedbacks für seine Arbeit. Hier spielt der künstlerische Aspekt ganz bestimmt eine sehr grosse Rolle.

  View (Stern)

View ist ein monatlich erscheinendes Foto-Magazin. Zum Start im Jahre 2005 wurde auch gleich eine online Fotocommunity vorgestellt. Diese hat innert kürzester Zeit eine solide Benutzerbasis aufbauen können. Der Reiz seine Bilder auf dieser Plattform zu veröffentlichen liegt darin, dass ausgewählte Arbeiten im gedruckten Magazin erscheinen können. Es gibt jeden Monat ein anderes Thema sowie den Bereich der Nude-Fotografie in welchem immer wieder Bilder abgedruckt werden. Leider hat sich die Plattform seit dem Start kaum verändert und kommt deshalb mittlerweile etwas in die Jahre.

  White Wall, SeenBy

Plattformen die ich selbst nicht so gut kenne sind WhiteWall und SeenBy. Auf beiden besteht die Möglichkeit seine Bilder zu verkaufen. Allenfalls könnt ihr in den Kommentaren eure Erfahrungsberichte dazu schreiben.

Fazit

Eine abschliessende Zusammenfassung dieses Themas ist nicht ganz einfach, da die verfolgten Ziele eine grosse Rolle spielen. Die alten und bekannten Grössen haben also nach wie vor die Nase vorne. Neue Plattformen haben es schwer sich zu etablieren, wenn Sie aber den Nerv der Zeit treffen funktioniert dies, wie zum Beispiel bei Instagram, sehr gut. Ebenfalls traue ich mich zu sagen dass für jedes Bedürfnis die richtige Webseite existiert – man muss sie nur finden.

Aus meiner Sicht sollte man sich zwei bis drei Plattformen aussuchen und diese regelmässig bedienen. Dies heisst dass man sich aktiv am Geschehen teilnimmt. Bilder kritisiert, liked und kommentiert. So kommt man schnell ins Gespräch mit anderen. Das sich so aufbauende Netzwerk kann einen selbst viel weiter bringen.

One more thing

Und dann war da noch dieser eine Kommentar mit einem Link zu einem sehr spannenden Video aus dem Jahr 2012 welches unter anderem den Stellenwert der digitalen Fotoplattformen unter die Lupe nimmt.

Michael Fischer portraitiert David Marquis und Sarah Michel zwei Jungfotografen aus der Schweiz.


Das Artikel-Bild kommt von Eric Fischer. Auf seine Arbeit bin ich über diesen Artikel aufmerksam geworden.

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