World Economic Forum 2026

Wieder hier. Und doch anders.

Ich war dieses Jahr wieder am World Economic Forum. Zum neunten Mal innerhalb von zehn Jahren. Und obwohl sich vieles vertraut anfühlt, ist es nicht mehr dasselbe Ankommen wie früher.

Damals war da dieses innere Kribbeln. Die Grösse des Anlasses, die Namen, die Dichte an Bedeutung. Heute ist es eher ein leises Wahrnehmen, ein bewusstes Ankommen. Nicht weniger intensiv, aber ruhiger. Ich komme nicht mehr, um etwas zu suchen. Ich komme, um zu sehen.

Das Dazwischen

Das World Economic Forum erschliesst sich nicht über Bühnen, Panels oder Programmpunkte. Es lebt im Dazwischen. In den Momenten, die nicht geplant sind und trotzdem viel erzählen.

In den kurzen Pausen zwischen zwei Sessions. In den Blicken der Sicherheitskräfte, die seit Stunden hochkonzentriert sind. In den Gesprächen mit dem WEF-Staff, der plant, koordiniert, leitet und ermöglicht. Oft unsichtbar, aber immer entscheidend. Menschen, die seit Tagen am Limit arbeiten und trotzdem präsent, freundlich und professionell bleiben.

Und dann gibt es diese Augenblicke, die sich nicht planen lassen.

Ich war auf dem Weg zurück ins Fotografen-Office. Kein Auftrag, kein Termin, einfach Bewegung. Plötzlich verändert sich die Atmosphäre. Gespräche brechen ab, Menschen bleiben stehen, Polizei wird sichtbar. Eine Spannung liegt in der Luft. Es ist klar: Hier kommt gleich jemand vorbei, der Gewicht hat.

Impressions from the World Economic Forum Annual Meeting 2026 in Davos-Klosters, Switzerland, 20 January 2026. Copyright: © 2026 World Economic Forum / Boris Baldinger

Als Emmanuel Macron dann die Fläche betritt, geht alles sehr schnell. Kein Aufbau, kein zweiter Versuch, kein Konzept. Nur ein Moment. Ein Bild. Nicht gesucht, sondern passiert.

Nicht jagen, sondern wahrnehmen

Früher hätte ich wahrscheinlich das Close-up gesucht, den einen Frame, den einen Blick. Dieses Mal nicht.

Ich habe mich entschieden, die Szene so festzuhalten, wie sie war – dokumentarisch, echt, mit all der Energie, die im Raum lag. Nicht, weil es einfacher ist, sondern weil es ehrlicher ist.

Nach neun WEFs verändert sich etwas. Nicht draussen, sondern in mir. Ich habe nichts mehr zu beweisen. Ich muss niemandem zeigen, wie nah ich war. Nähe entsteht nicht durch Distanz in Millimetern, sondern durch Aufmerksamkeit.

Und genau dort liegt für mich der Kern meiner Arbeit. Besonders an einem Ort wie diesem.

Ein nachdenklicher Blick

Dieses Jahr war ich nachdenklicher als sonst. Vielleicht, weil es das neunte Mal war. Vielleicht, weil sich die Welt verändert. Vielleicht auch, weil sich meine eigene Rolle verändert hat.

Das WEF ist intensiv – körperlich, mental, emotional. Lange Tage, hohe Verantwortung, Entscheidungen im Sekundentakt. Teamwork auf sehr hohem Niveau, oft hart an der Belastungsgrenze. Und trotzdem: unglaublich erfüllend. Nicht wegen der Namen, sondern wegen der Menschen, die gemeinsam dafür sorgen, dass dieses komplexe System funktioniert.

Ich habe mich dieses Jahr häufiger gefragt, wie es weitergeht. Was es in Zukunft braucht. Was wirklich relevant ist. Nicht nur für das WEF, sondern auch für meine Arbeit, für Fotografie und für echte Begegnung.

Ruhe als Haltung

Was mir immer wieder gespiegelt wird und was mir selbst zunehmend bewusst ist: Gerade in hektischen Momenten gelingt es mir, ruhig zu bleiben. Nicht distanziert, nicht gleichgültig, sondern klar.

Das grosse Ganze im Blick zu behalten, während es rundherum schnell wird, ist keine Technik. Es ist Haltung. Vielleicht ist genau das meine Aufgabe als Fotograf in solchen Kontexten: Ordnung schaffen, ohne zu kontrollieren. Präsenz zeigen, ohne zu dominieren. Momente sichtbar machen, ohne sie zu verzerren.

Was bleibt

Das World Economic Forum ist ein temporärer Ort. Meine Arbeit ist ein langfristiger Weg.

Die Welt wird nicht einfacher, nicht leiser, nicht langsamer. Gerade deshalb wird echte menschliche Verbindung wichtiger. Ich glaube nicht an perfekte Inszenierung. Ich glaube an ehrliche Momente. An Bilder, die atmen dürfen. An Begegnungen auf Augenhöhe. Auch unter Druck.

Vielleicht ist das die Essenz nach neun WEFs. Nicht alles festhalten zu wollen, sondern das Wesentliche. Und manchmal braucht es dafür keinen Auftrag, keinen Plan und keine Erwartung. Sondern einfach Präsenz. Und ein bisschen Glück.